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Identifizierung schützenswerter Gebiete mit fernerkundlichen Methoden zum Zwecke der Ausweitung des kohärenten Netzwerks an Schutzgebieten in der Antarktis (2020 - 2024)

Das Umweltbundesamt hat ThINK damit beauftragt, ein Gebiet in der Antarktis ausfindig zu machen, welches als potentielles Schutzgebiet (ASPA) von Deutschland vorgeschlagen werden kann. Dazu haben wir antarktisweit Regionen gesucht, die sich beispielsweise durch besondere Biodiversität oder das Vorkommen von lokalen Einzigartigkeiten auszeichnen und bisher keinen Schutzstatus aufweisen. Auch Kriterien wie die logistische Erreichbarkeit für regelmäßige Untersuchungen oder die Gefährdungssituation durch z.B. den Menschen oder auch den Klimawandel wurden beachtet. Methodisch haben wir für diese Auswahl potentiell infrage kommender Gebiete vor allem fernerkundlich gearbeitet (Satellitendaten), aber auch Literaturrecherche und Kommunikation mit internationalen Forschenden aus allen möglichen Fachrichtungen waren wichtige Bausteine.

Insgesamt wurden auf diese Weise 15 Gebiete ausfindig gemacht, die sich prinzipiell oder in einzelnen Punkten eigneten. Gemeinsam mit einem Expertenbeirat der deutschen Antarktisforschung und dem Auftraggeber Umweltbundesamt wurden letztlich zwei dieser Gebiete ausgewählt: die aus mehreren Einzelinseln bestehenden "Danger Islands" an der Spitze der antarktischen Halbinsel sowie das "Otto-von-Gruber-Gebirge".

Diese Gebiete wurden bei der ATCM 2022 (Antarctic Treaty Consultative Meeting - Konsultativtreffen zum Antarktisvertrag) als ASPA vorgeschlagen und von den Vertragsstaaten angenommen. Damit ist die erste große Hürde auf dem Weg zur Einrichtung der Schutzgebiete genommen.

Für beide Gebiete muss nun ein sogenannter Managementplan erstellt werden. Dieser legt fest, welche Schutzgüter in den Gebieten geschützt werden, welche Schutzmaßnahmen dazu ergriffen werden, und wie der Erhalt des Gebietes bzw. die Wirkung der Schutzmaßnahmen sichergestellt und überprüft wird. 

Im Otto-von-Gruber-Gebirge sind bisher noch nicht ausreichend wissenschaftliche, aktuelle Daten vorhanden, um eine genaue Beschreibung des Gebietes vornehmen zu können, aus der dann entsprechende Schutzmaßnahmen sinnvoll abgeleitet werden können. Besonders eines der wichtigsten Schutzgüter des Gebietes, eine riesige Kolonie von Schneesturmvögeln, ist in den letzten Jahren nicht ausreichend untersucht. Daher war eine Expedition vor Ort notwendig, um eine ausführliche Kartierung der Kolonie vorzunehmen.

Diese Expedition fand im Dezember 2022 statt.

Sturmgesicherte_Schlafzelte_klein.jpgauf_dem_weg_zum_Phantom_fliegen_im_Aurkjosen_Cirque_klein.jpgSchneeproben_für_Mikroplaste_klein.jpg

Trotz der sehr kurzen Expeditionszeit konnte eine Menge wichtiger Daten aufgenommen werden.

Ein Hauptaugenmerk der Untersuchungen lag auf der Populationserfassung der Schneesturmvögel im Gebiet. Für diese lagen bisher nur historische Berichte vor, welche neben ihrer mangelnden Aktualistät auch eine geringe methodische Sicherheit hatten. Die Zählung der Schneesturmvogelnester erwies sich jedoch als extrem zeitaufwändig und schwierig, da diese versteckt in tiefen Höhlen unter Felsbrocken brüten und sich nur in einigen Fällen durch Rufe bemerkbar machen. Bei der Suche mussten daher geeignte Felsen komplett abgesucht werden, teils durch Kriechen in die Felsspalten. Trotz dieses Aufwandes ist es jedoch gelungen, ein Referenzgebiet von fast einem Quadratkilometer flächendeckend abzusuchen. Diese Fläche wurde genutzt, um die Dichte von Nestern in unterschiedlichen Habitatstrukturen, abhängig von der Verfügbarkeit geeigneter Felsbrocken, zu ermitteln. Mithilfe von hochaufgelösten Drohnenbildern konnten solche Habitatstrukturen auch im gesamten Unterseetal gefunden werden und daraus eine Hochrechnung der Gesamtpopulation erfolgen. So schätzen wir die Schneesturmvogelpopulation auf etwa 12.000 Brutpaare ein. Damit wäre dies tatsächlich eines der größten Schneesturmvogelnistgebiete der Antarktis und damit von entscheidender Bedeutung für die Art.

 Kolonie_WHalbinsel_2022-12-08_13-02-03_G9x_S.jpgHalbinsel_2022-12-05_14-18-50_G9x_S.jpg

Die Ergebnisse der Schneesturmvogeluntersuchungen können in dieser Publikation nachgelesen werden.

Neben der Kartierung der Schneesturmvögel wurde mithilfe der Drohnendaten eine topografische Karte der Region erstellt. Diese kann bei der Schutzgebietsausweisung bzw. der Erstellung des Managementplanes sowie bei der Planung weiterer Expeditionen und Untersuchungen helfen.

Proben zur Schadstoffbelastung, unter anderem auch Gewässer- und Schneeproben für die Mikroplastikuntersuchung, werden derzeit im Labor untersucht.

 

Von den Danger Islands sind, durch vorangegangene Expeditionen anderer Arbeitsgruppen, bereits mehr Daten vorhanden, sodass basierend auf vorhandenem Wissen der Prozess der Managementplanerstellung bereits deutlich weiter voranschreiten konnte. Dieser wurde bereits den Antarktisvertragsstaaten vorgelegt und von diesen angenommen und befindet sich nun bei einer Kommission, die mit der Überprüfung solcher Pläne betraut ist.

Lage_Danger_Islands.png

Trotzdem besteht auch hier noch weiterer Forschungsbedarf, neben der Entwicklung eines regelmäßigen und vergleichbaren Monitorings sollen vor allem Fragen zu den Jagdterritorien der hier lebenden Pinguine untersucht werden. Wann hier eine Expedition zur weiteren Untersuchung stattfindet, ist derzeit noch nicht abzusehen.

 

 Der Abschlussbericht zum Projekt kann auf den Seiten des Umweltbundesamtes eingesehen werden.

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